Io


Io
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Eine Nymphe*, Tochter des Inachos*, von Zeus* vergewaltigt und, kurz bevor ihn die stets eifersüchtige Hera* mit ihr überrascht, in eine Kuh verwandelt. Die sei, so schwindelt Zeus, eben aus der Erde hervorgekommen. Hera fordert das schöne Tier für sich und läßt es von Argos*, der alles sieht, bewachen. Zwar versetzt Hermes* den Wächter in tiefen Schlaf und tötet ihn, aber damit haben Ios Leiden noch kein Ende: Hera schlägt sie mit Wahnsinn und jagt sie durch die ganze Welt. Als Io in Ägypten kläglich muhend zusammenbricht, bittet Zeus die rachsüchtige Hera, es endlich genug sein zu lassen. Io bekommt ihre Menschengestalt wieder und wird fortan als Göttin Isis* verehrt (Ovid, Metamorphosen I 568–747). Nach Apollodor (Bibliothek II 6) hat das Ionische Meer ebenso seinen Namen von Io wie der Bosporos, die »Rinderfurt«: Da sei die Verwandelte von Europa nach Kleinasien hinüber geflohen. Im ›Gefesselten Prometheus‹ des Aischylos gelangt Io, vom Schatten des Argos verfolgt, bis in den Kaukasus und klagt dem an eine Felswand geschmiedeten Titanen* ihr Leid (561–886).
Inmitten einer um 30 v. Chr. gemalten illusionistischen Wanddekoration im Haus der Livia zu Rom sieht man Io mit Argos* und Hermes*; als Mädchen
erscheint sie, zusammen mit ihrem Wächter, auf einem Wandgemälde aus dem Haus der Dioskuren in Pompeji (Neapel, Museo Archeologico Nazionale); ein anderes pompejanisches Fresko zeigt, wie Isis und ihr Gefolge in Ägypten die Geflüchtete empfangen (Kopie nach einem Original des 3. Jahrhunderts v. Chr., Neapel, Museo Archeologico Nazionale). Correggios ›Io‹ (um 1531, Wien, Kunsthistorisches Museum), die der in Wolken gehüllte Zeus umfängt, ist, gleich der ›Leda‹* aus demselben Gemäldezyklus, ganz Hingabe. Daß einer unserer farbenprächtigsten Tagfalter, das Pfauenauge, von Linné den lateinischen Namen Vanessa Io bekam, überrascht fürs erste: Was hat Io mit dem Pfau zu tun? Doch Linné dachte an die schönen großen Augen – einer Kuh!

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.